Jedes Jahr ermöglicht das VM4K-Speedpraktikum Studierenden einen kompakten, sechs Wochen langen Einblick in die Versicherungswirtschaft. Dabei durchlaufen die Teilnehmenden drei unterschiedliche Unternehmen und lernen so die Vielfalt der Branche aus verschiedenen Perspektiven kennen – von der Erstversicherung über die Rückversicherung bis hin zur aktuariellen Beratung.

Einer der diesjährigen Praktikanten war Jan, der im Anschluss an das Programm ein Stipendium erhalten hat. Im Gespräch blickt er auf seine Zeit im Speedpraktikum zurück und berichtet über seine Eindrücke aus den einzelnen Stationen sowie darüber, wie sich seine beruflichen Vorstellungen im Verlauf der sechs Wochen entwickelt haben.

 

Speedpraktikant Jan mit seinem MSK-Betreuer Leon Ludwig

 

Hallo Jan, schön, dass du dir Zeit nimmst. Wie würdest du dein Speedpraktikum insgesamt zusammenfassen?

Das Speedpraktikum war insgesamt sehr aufregend und lehrreich, teilweise aber auch frustrierend – was aus meiner Sicht dazugehört, wenn man in kurzer Zeit so viele neue Eindrücke sammelt. Ich habe viel gesehen, viel gelernt und unterschiedliche Bereiche der Versicherungsbranche kennengelernt. Besonders gut fand ich, dass man in jedem Unternehmen an einem eigenen kleinen Projekt gearbeitet hat, sodass man immer eine klare Aufgabe hatte und nicht in Leerlauf geraten ist.

Was war dein persönliches Highlight?

Besonders positiv waren für mich die offenen und überraschend hierarchiearmen Teams. Ich hatte vorher erwartet, dass der Leistungsdruck deutlich stärker spürbar ist, aber das Gegenteil war der Fall. Die Arbeitsatmosphäre war sehr angenehm und entspannt.

Haben sich deine Vorstellungen von der Versicherungsbranche verändert?

Nicht grundlegend, aber in einigen Punkten schon. Ich habe zum Beispiel unterschätzt, wie stark die Branche miteinander vernetzt ist. Es war interessant zu sehen, dass viele sich untereinander kennen oder zumindest voneinander wissen. Außerdem hatte ich vorher erwartet, dass die Branche stärker „überreguliert“ ist – tatsächlich habe ich aber erlebt, dass in vielen Bereichen, etwa in der Tarifierung, durchaus Spielräume bestehen.

In welchen Bereichen konntest du besonders viel lernen?

Das ist schwer zu sagen, weil man überall etwas anderes lernt. Besonders gut gefallen hat mir die Station beim BGV in Karlsruhe, vor allem weil ich dort zusätzlich zur Projektarbeit noch eine Einführung in Solvency II bekommen habe. Mein eigentliches Projekt war zwar eher im Bereich Marktanalyse angesiedelt, aber gerade diese Kombination hat es für mich sehr interessant gemacht.

Wo hast du gemerkt, dass dir noch Wissen oder Fähigkeiten fehlen?

Inhaltlich eher weniger, weil immer davon ausgegangen wurde, dass man kaum Vorkenntnisse hat und entsprechend viel erklärt wurde. Dadurch war ich eigentlich nie unterversorgt. Bei den Fähigkeiten hätte mir etwas Vorwissen in R geholfen, auch wenn ich mich letztlich auch ohne gut einarbeiten konnte.

Gab es eine Station, die dir besonders gefallen hat?

Auch das ist schwierig zu sagen, weil jede Station ihre eigenen Besonderheiten hatte. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich wieder den BGV nennen. Zum einen, weil mich das Thema Risikomanagement ohnehin interessiert, zum anderen aber auch wegen des Teams, das mich stark in den Arbeitsalltag eingebunden hat – inklusive Meetings und regelmäßiger Abstimmungen. Dadurch habe ich ein sehr gutes Gefühl für die tägliche Arbeit bekommen.

Haben sich deine beruflichen Interessen oder Ziele verändert?

Ich würde eher sagen, sie haben sich gefestigt. Ich sehe mich jetzt klar in der Versicherungsbranche. Zu Beginn war ich mir noch unsicher, ob das wirklich der richtige Bereich für mich ist, aber diese Unsicherheit ist jetzt verschwunden. Der weitere Weg ist noch offen – ein Master in Wirtschaftsmathematik ist für mich aber sicher. Ob danach eher Promotion oder der direkte Berufseinstieg folgt, kann ich noch nicht sagen. Das übergeordnete Ziel ist jedoch klarer geworden.

Wie hast du die Betreuung und Zusammenarbeit im Team erlebt?

Sehr positiv. Ich konnte mich in allen Teams jederzeit auf die Hilfsbereitschaft der Kolleg:innen verlassen. Auch wenn ich oft an eigenen Projekten gearbeitet habe, war es nie ein Problem, bei Fragen Unterstützung zu bekommen. Besonders aufgefallen ist mir die sehr hierarchiefreie Struktur – ich hatte nie das Gefühl, mich „beweisen“ zu müssen, sondern eher, gemeinsam an guten Ergebnissen zu arbeiten.

Was war die größte Herausforderung?

Die Zeit. Zwei Wochen pro Station sind schon sehr knapp, wenn man sich erst einarbeiten und dann noch ein Projekt bearbeiten soll. Gleichzeitig war das aber auch eine gute Übung, Prioritäten zu setzen und zu entscheiden, was wirklich wichtig ist. Präsentationen der Ergebnisse waren für mich letztlich weniger schwierig als zunächst erwartet.

Was nimmst du insgesamt aus dem Praktikum mit?

Vor allem viele praktische Einblicke – sowohl fachlich als auch technisch, zum Beispiel im Umgang mit Software oder Programmiersprachen. Außerdem nehme ich ein gefestigtes Interesse an der Versicherungsbranche mit und hoffe, dass mir auch die geknüpften Kontakte in Zukunft weiterhelfen werden.

Was sollte am Konzept unbedingt beibehalten werden?

Ganz klar die Rotation durch verschiedene Bereiche der Versicherungsbranche. Genau das macht das Speedpraktikum aus. Auch die Projektarbeit sollte erhalten bleiben, da sie Struktur gibt und gleichzeitig sicherstellt, dass die Betreuung in den Unternehmen gut eingebunden ist.

Wem würdest du das Speedpraktikum empfehlen?

Allen Mathematikstudierenden, die sich für wirtschaftliche Anwendungen interessieren und nicht ausschließlich in Richtung Universität oder Schule gehen wollen. Besonders für diejenigen, die noch wenig Einblick in die Versicherungsbranche haben, ist es ideal, um ein realistisches Bild zu bekommen.

 

Der VM4K e.V. freut sich sehr über das Stipendium für Jan und gratuliert ihm herzlich zu dieser Auszeichnung. Gleichzeitig danken wir ihm für seine engagierte Teilnahme am Speedpraktikum und seine wertvollen und reflektierten Rückmeldungen aus den verschiedenen Stationen. Für seinen weiteren akademischen Weg – insbesondere im Bereich der Wirtschaftsmathematik und der Versicherungswirtschaft – wünschen wir ihm alles Gute, viel Erfolg und weiterhin viele spannende Erfahrungen.